Bedeutsame Aspekte bei Essstörungen
- Essen verschafft Befriedigung für orale Bedürfnisse und kann dabei helfen, emotionalen Hunger zu stillen.
- Das "in sich hinein stopfen" hat etwas verzweifeltes und weist auch auf eine versteckte Wut hin.
- Das "nicht aufhören können zu essen", wird als Schwäche erlebt und Ohnmacht sich selbst gegenüber, es löst Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit aus. Es verdeutlicht die Ohnmacht gegenüber dem Umfeld und die Unmöglichkeit, für sich zu sorgen.
- Durch die fast ausschließliche Beschäftigung mit Essen und den Kampf um den perfekten Körper, wird die massive Abwehr verstehbar, Verdrängtes nicht fühlen zu wollen. Andere Themen scheinen zu bedrohlich zu sein.
- Die Tatsache, dass objektiv schlanke Frauen sich in jedem Fall zu dick fühlen und dabei sehr streng und perfektionistisch mit sich und ihrem Körper umgehen, weist auf das wenig vorhandene Selbstbewusstsein hin. Die unklare Wahrnehmung der eigenen Identität, die Unfähigkeit zwischen innen und außen zu differenzieren, zwischen den Anderen und sich selbst zu unterscheiden, verstärkt das Gefühl der Wertlosigkeit.
- In dem Wechsel von Verschlingen und Erbrechen werden die verzweifelt aggressiven Anteile besonders deutlich. Es gilt, Druck abzubauen, um anschließend zu entspannen und die eigentlich immer vorhandene Leere aushalten zu können. Es verschafft Erleichterung und Schamgefühle zugleich. Die innere Ambivalenz wird spürbar.
- Um in Ruhe und Heimlichkeit essen und erbrechen zu können, wird oft viel Aufwand notwendig. Eine enorme Energie, mit der es aus der Not heraus doch möglich ist, sich abzugrenzen und den eigenen Bedürfnissen Raum zu verschaffen.
- In dem fast vollständigen Verzicht auf Nahrung liegt einerseits eine unglaubliche Kraft, ja sogar Macht. Die Anderen bleiben nun ohnmächtig, müssen sich kümmern. Endlich ist das Zerbrechliche schockierend sichtbar, eine ganze Familie mit ihren Problemen entlarvt.
- Es ist schockierend, wie jemand Hunger so massiv verdrängen kann, dass die körperlichen Empfindungen und Reaktionen scheinbar nicht mehr wahrgenommen werden und lebensnotwendige Handlungen somit ausbleiben.
- Durch die aus der Essstörung enstehende Isolation, der Rückzug aus sozialen Beziehungen, aus Partnerschaften und die Unfähigkeit zu zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen, werden die Einsamkeit und depressiven Anteile spürbar. Der Kontakt zur Außenwelt findet über die scheinbare Anpassung und den Versuch zu funktionieren statt.
- Der Versuch, die Entstehung weiblicher Körperformen zu verhindern oder vorhandene Weiblichkeit zu verwischen, weist auf die Themen Umgang mit der eigenen Sexualität und Weiblichkeit sowie Rollenerwartungen an Frauen hin.
